Pikett-Dienst - Call me maybe!

Aktualisiert: 23. Jan.

Jeder kommt mal dran, wenn es um die Verteilung von Pikett-Diensten geht. Doch wie ist es, während solcher Dienste wie auf Nadeln zu warten, dass der Anruf doch nicht kommt? Und wie kann man gleichwohl das Wochenende geniessen und nachts ein paar Stunden Schlaf finden? Lest hier über meine Erfahrungen.



Dieser Beitrag enstand für medicus.ch


Es ist acht Uhr abends und nach einem langen Spätdienst mach ich mich auf den Heimweg. Doch ganz kann ich die Arbeit nicht vergessen, denn ich hab zusätzlich Pikett-Dienst, bin also auf Abruf. In dem Spital, in dem ich arbeite, heisst das: nachts innerhalb von 30 Minuten da zu sein, am Wochenende innerhalb 60 Minuten einrücken. Zum Glück wohne ich nur zwanzig Gehminuten vom Spital weg, mit dem Velo noch schneller.

Trotzdem macht sich bei mir immer eine gewisse Nervosität breit, wenn ich Dienst habe. Meine grösste Sorge ist immer, dass ich nachts den Schlaf der Unschuldigen geniesse und beim Anruf nicht wach werde. Und dann ist es auch nicht ganz ohne, am Morgen um drei Uhr zu funktionieren und Topleistungen zu erbringen.


Meine Methode um gerade nachts trotzdem mit ruhigem Gewissen einzuschlafen, ist mein Mobiltelefon auf maximale Lautstärke zu stellen. Im Falle eines Anrufes hätten dann zwar auch Mitbewohner und Nachbarn was davon, ich würde aber mit grosser Wahrscheinlichkeit wach werden.


Der Fussmarsch zur Arbeit und das Adrenalin würden dann hoffentlich ihr Übriges tun, um mich zu wecken. Wie ihr aus meiner Wortwahl merkt, wurde ich in neun Monaten Arbeit noch nie nachts angerufen.


Doch wie kann man ein entspanntes Wochenende verbringen, wenn man jederzeit ungewiss ist, ob man noch zur Arbeit muss? Zum Teil erkläre ich meinen Freundinnen ehrlich, dass ich auf Abruf bin und eventuell gehen muss. Da viele meiner Freunde selbst im Gesundheitswesen tätig sind, haben sie alle in der Regel Verständnis. Und dann gibt es Dinge, die einfach nicht möglich sind, wenn man Pikett hat. Kino- und Theaterbesuche sollte man vermeiden, generell alles, was Eintritt kostet. Alkohol ist natürlich ein absolutes No-Go! Und man sollte sich verständlicherweise auch nicht zu weit von der Arbeit entfernen.


Meistens treffe ich Freunde, entweder bei ihnen zuhause, damit der Brunch nicht automatisch endet, falls ich gehen muss. Oder in öffentlichen Orten wie Cafés. Dann mache ich sehr gerne lange Spaziergänge, was auch die Nervosität, die mit so einem Dienst einhergeht, senkt. Und am Abend geniesse ich gerne einen Filmabend, am liebsten mit alkoholfreien Getränken und Popcorn.


Tatsächlich wurde ich bis jetzt nur einmal am Wochenende angerufen. Es war ein Samstag und ich hatte mir gerade in einem Café einen Kaffee bestellt, als das Telefon klingelte. Doch der Oberarzt am anderen Ende der Leitung meinte gleich zu Beginn des Gesprächs, ich müsse nicht kommen. Ob ich aber auch am Sonntag den Pikett-Dienst übernehmen könne, es sei jemand krank.


Natürlich war ich im ersten Moment erschrocken, aber danach auch etwas erleichtert, in Ruhe mein koffeinhaltiges Getränk geniessen zu können. Aber nachdem das das spannendste war, was mir je im Pikett-Dienst passiert ist, bin ich mittlerweile viel entspannter!


Und am Ende heisst es Abwarten und Tee trinken, denn man weiss nie, ob nicht doch ein Anruf kommt.


Bis zum nächsten Mal, träumt was Schönes!


Eure Ann-Kathrin

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